Gespeichert unter: Kathrin
Am Montag um halb acht in der Fueh stapften wir mit unserem schweren Gepaeck (zu unseren Rucksaecken ist ja noch die 9 Kilo schwere Tasche mit Eingekauften gekommen) zur Busstation und wuenschten wir haetten die bevorstehende Horror-Busfahrt schon hinter uns. Nachdem wir einige Leute gefragt hatten, wo der Bus nach Manali denn genau fahre, meinte ein Taxi-Fahrer, dass es nur am Abend um halb neun einen Bus gaebe, der Oeffentliche sei schon lange weg, es fahre jetz kein Bus mehr nach Manali. Nun, wir trauten unseren Ohren nicht, doch als der Taxi-Fahrer auf unserer Quittung das kleine ’8.30 p.m.’ zeigte, mussten wir wohl oder uebel einsehen, dass uns der Typ im Reisebuero tatsaechlich ein Nachtbusticket verkauft hatte, obwohl wir ausdruecklich mehrere Male gesagt hatten, dass wir am Morgen fahren wollten. Bei so einem Start schien der Tag ja nur noch besser werden zu koennen. Wir schleppten uns niedergeschlagen und wuetend zugleich ins Guesthouse zurueck, wo der liebe Guesthousebesitzer uns fragend empfieng und uns schliesslich nach kurzer Erklaerung unsere Rucksaecke unterstellen liess. Es blieben uns nun weitere zwoelf Stunden in Mc Leod Ganj, in denen wir von Cafe zu Cafe zogen und einen schoenen Spaziergang dem Pilgerweg entlang zum Astrologischen Institut machten. Es war ein sehr schoener Tag und rueckblickend war es vielleicht auch gut, dass wir erst am Abend fuhren.
Die Busfahrt war kurz (fuer indische Verhaeltnisse sind zehn Stunden ja nicht so viel), aber ziemlich heftig. Der Beifahrer schien bester Laune, mit einem haemischen Grinsen und einem ‘good night’ zog er den Vorhang zur Fahrerkabine. Ich fand das ganze nur halb so lustig und hoffte einfach, dass die Fahrt so schnell als moeglich vorbei ging.
Die Sitze war sehr eng hintereinandergereiht und viel zu kurz, so dass Nicolas staendig die Beine einschliefen und er sie nirgens platzieren konnte. Mir wurde schon in den ersten paar Minuten uebel, kurvige Strassen, steile Abgruende und stickige Busse waren noch nie meine Passion. Dank Itinerol konnte ich dann doch en paar mal kurz einnicken und durch den Fahrtwind vergassen wir auch den modrigen Geruch. Wir hielten drei Mal an (die indischen Busse haben keinen Ventilator vor dem Kuehler, da muessen sie schon mal anhalten und abkuehlen), wobei wir jedesmal die Gelegenheit nutzen um uns die Beine ein bisschen zu vertreten und frische Nachtluft zu schnuppern. Nicolas doeste einige Male ein, von einem tieferen Schlaf konnten wir beide jedoch nur traeumen. Wir wurden am Morgen von lautem Hupen aus unserer Trance geweckt, vor unserem Bus draengten sich mehrere hundert Ziegen und Schafe, eine schoene Einstimmung auf das laendliche Manali. Nachdem wir zwischen weiteren Schafherden hindurchgefahren waren, kamen wir schliesslich beim Busbahnhof in New Manali an. Es war kalt und matschig und definitiv zu frueh um von Indern belaestigt zu werden. Genervt und totmuede stiegen wir dann doch in ein Taxi nach Old Manali, wo wir in einem muffigen Zimmer bis vier Uhr Nachmittags auf einer Strohmatratze in unsere Schlafsaecke vergraben schliefen.
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Hallo N und K, da habt ihr ja offensichtlich einen recht netten „Urlaub im Urlaub“ verbracht in Mc Leod Ganj alias Dharamsala-Oberdorf. Habe irgendwo gelesen, dass da fast alle hängenbleiben, sogar monatelang. Und nicht, weil sie den Nachtbus verpassen, sondern weil es so schön ist. Und nun also noch ein bisschen mehr tibetische Enklaven-Kultur in Himachal Pradesh. Busfahren in Indien ist doch immer wieder eine Bereicherung, nicht? Und während ihr in den Bergen weilt, spinnt die Welt um euch herum weiter. Nach den Ereignissen in Tibet, den Überschwemmungen in Burma, dem Erdbeben in China (das noch Folgen haben wird – Wasser, Schlamm, Chemie) und den Bomben von Jaipur ist nun ganz Rajasthan in Aufruhr: Die Kaste der Gujjars rebelliert und zerstört Einrichtungen, bereits sind Strasse und Schiene zwischen Delhi und Mumbay unterbrochen. Nur damit ihr das wisst, bevor ihr wieder ins Unterland taucht. Ihr seid wahrhaftig von Katastrophen umzingelt… Geniesst eure Reise, wir geniessen sie aus der Ferne mit. Ciao, Mic
Kommentar von Mic Mai 28, 2008 @ 4:04