Gespeichert unter: Nicolas
Fuer Sonntag den 24. Mai standen in Mc Leod die Tibetischen Olympischen Spiele auf dem Programm. Die ganze Sache war natuerlich nicht sonderlich ernsthaft sondern primaer ein Medienevent, aber doch recht lustig. Schon Tage zuvor hatte die Tibetische Nationalmannschaft, ein wild zusammengewuerfelter Haufen von Studenten, eigene olympische Fackel durch die Strassen getragen, eskortiert von einer Horde Fernsehkameras. Am Sonntag morgen wurde dann im Stadion der Bezirksschule das Olympische Feuer entzuendet. Waerend Kathrin mit Kopfschmerzen im Bett lag stieg ich mit zwei jungen Moenchen, mit denen ich mich eigentlich zum Englischunterricht verabredet hatte, auf den Huegel. Die Inszenierung war wundervoll. Alle Athleten hatten extra angefertigte Trainings-Anzuege an, auf denen das Logo der Spiele aufgestickt war, die Jungs in Rot, die Maedchen in Weiss. Ueber dem Spielfeld prangten riesige Tibet-Flaggen, schoen bedruckte Tibet-Olympia-Fahnen, Gebetsfahnen und natuerlich auf der Ehrenloge ein uebergrosses Foto des Dalai Lama. Die rund 10 Maedchen und 10 Jungs massen sich in den Disziplinen Huerdenlauf, Sprint, Hochsprung, Weitsprung, Speerwurf und 500-Meter-Lauf. Es war ganz offensichtlich, dass viele diese Sportarten zum ersten Mal machten. Vor laufenden Kameras aus aller Welt plumpsten die Atlethen in den Weitsprungsand, vielen beim Huerdenlauf furchtbar auf die Schnautze und schmissen die Speere wie Boomerangs durch die Gegend. Das Publikum amuesierte sich koestlich und die Atlethen ebenso. Alle Sportgeraete waren offenbar extra fuer diesen Anlass hergestellt worden, die Hochsprunganlage bestand aus Bambus und alten, eingepackten Matrazen, die Speere waren ebenfalls aus Bambus und die Huerden waren strarre Holzgestele, die sich nicht etwa herunterklappen liessen, wohl auch mit ein Grund warum sie keine Fehler verziehen. Die Moenche, auf deren Loge ich sass, diskutierten ausgiebig ob eine Disziplin wie Speerwerfen moralisch vertretbar sei, immerhin, so fanden sie, seien es Waffen. Sie kamen zum Schluss, dass eine Sportart, die entweder einen militaerischen oder jaegerischen Hintergrund hat mit ihrer Religion nicht zu vereinbaren sei. Die Spiele dauerten laenger als wir erwartet hatten, und so verzogen wir uns schon kurz bevor die grossen goldenen Pokale ueberreicht und das Preisgeld ausgehaendigt wurde. Auf dem Heimweg fand ich dann heraus, dass beide gar keine Moenche aus Mc Leod Ganj waren. Einer von Ihnen war ein Austauschmoench aus Suedindien (das gibts offenbar auch) der andere sagte mir mit traurigen Augen, dass er einem Tibetischen Kloster angehoere, er allerdings davon ausgehe, dass davon nicht mehr viel uebrig geblieben sei. Als wir wieder Mc Leod ankahmen war es etwa 14Uhr, keiner von uns hatte grosse Lust noch Englisch zu machen und so zog jeder seiner Wege, einer ins Gastkloster, der andere ins Fluechtlingslager von Mc Leod und ich zurueck ins Guesthouse.
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