quer beet ii


Manali – Kaza
Juni 8, 2008, 12:25
Gespeichert unter: Nicolas

Tatsaechlich wartete am naechsten morgen ein Jeep vor unserer Tuer. Der Moment der Wahrheit war gekommen: Ist der Fahrer ebensfalls von der Sorte „weich aus oder stirb“, oder sollten wir dies mal tatsaechlich mehr Glueck gehabt haben? Wir hatten Glueck, schon die ersten Paar Meter waren eine Wohltat. Erstaunlich wenig wurde die Hupe bedient und tatsaechlich hielt der Familienvater an um Kinder ueber die Strasse zu lassen; wir trauten unseren Augen nicht.

Tagesziel war Kaza, Hauptdorf des Spiti-Valley. Unser Weg fuehrte uns zunaechst auf den Rothang-Pass, ein etwa 3800 Meter hoher Pass, rund zwei Stunden von Manali entfernt. Der Ort an sich ist nicht sonderlich spannend, nicht sonderlich schoen und bietet auch keinen allzu grandiosen Ausblick aber es hat einige ganzjaehrige Schneefelder, was den Ort fuer Inder zum ultimativen Ausflugsziel macht. man muss sich das folgendermassen vorstellen: All die reichen Inder, die in Manali Ferien machen mieten sich einmal fuer einen Tag einen Jeep und fahren in Richtung Rothang. Auf dem Weg dorthin stehen links und rechts der Strasse unzaehlige Buden, in denen sich Pelzmaentel und Skianzuege mieten lassen (Inder denken offenbar dass man sich schon beim blossen Anblick von Schnee erkaeltet). Dick eingepackt in absurde Pelzmaentel und Ski-Kombis, in denen sich in Europa keiner mehr auf die Strasse trauen wuerde, kommen sie auf dem Pass an, wo ein breites Angebot an ebenso absurden Aktivitaeten auf sie wartet. Es lassen sich Yaks reiten, man kann sich auf lustigen Schlitten umherfahren lassen, in Lastwagenpneus den Berg runter rutschen un man kann Skilaufen. Skilaufen ist allerdings nicht mit dem zu verwechseln was man bei uns darunter versteht, keinem Inder wuerde es in den Sinn kommen einen Berg runterzufahren, die Skis werden lediglich angeschnallt um ein Foto zu machen, die Wagemutigen versuchen noch einige Schritte zu gehen. Fuer die juengeren Semester stehen seit neustem auch Snowboards zur Verfuegung, alle in schrillen Neonfarben wie es bei uns zu Beginn der Snowboard-Aera Mode war.

Zwischen all dem reihen sich Imbissbuden, Chai-Verkaeufer und Maiskolben-Braeter. Alles in allem ein so kurioses Bild, das wir beide lachend im Schnee standen und uns die Inder verstaendnislos ansahen, wohl nicht zuletzt weil wir als einzige weit und breit keinen Pelzmantel anhatten, sondern in unseren Softshell-Jaken umherliefen (es war sicher gegen 18 Grad warm).

Nach dem Pass bogen wir von der „grossen“ Strasse ab auf eine kleinere in Richtung Spiti, die noch schlechter war als die erste. Man muss dazu sagen das ebendiese erste, „grosse“ Strasse wegen des Kashmir-Kriegs momentan die einzige Verbindungstrasse nach Jammu-Kashmir ist, einem Bundesstaat groesser als die Schweiz. Die Strasse laesst sich aber mit einem normalen Pkw nicht bewaeltigen, entsprechend ist wohl der Versorgungs-Zustand in Jammu-Kashmir; kein Wunder finden dort religieoser Fanatismus und Gewalt einen so fruchtbaren Boden.

Die Nebenstrasse (National Highway Nr.22) fuehrte uns ueber Stock und Stein (und Schnee und Eis) auf den Kunzen-La Pass eine Anhoehe von bescheidenen 4551Meter ueber Meer. War vor dem Pass alles noch einigermassen begruent, so begann nach dem Pass eine Trockenwueste aus Stein, Geroell und Eis, das Spiti-Valley. Im ersten Dorf nach dem Pass mussten wir anhalten und unsere Paesse vorlegen, die Naehe zur Tibetischen (Chinesischen) Grenze veranlasst die Regierung zu verschaerften Sichereheitsmassnahmen. Der Polizeibeamte nahm unsere Paesse als ob er noch nie solche gesehen haette, studierte sie eingehend und uebertrug die Daten in ein Grosses Buch in dem alle Daten gesammelt wurden. bei meiner Nationalitaet angekommen sah er mich an und fragte „wich nationality?“, ich: „German“ (ich reise mit meinem EU-Pass), er: „NOOO!!!“ (-ich ahnte Boeses-) er zeigte auf den Pass „here is written ‘DEUTSCH’“ ich versuchte ihm den Sachverhalt klar zu machen: „u know, Sir, in German, ‘German’ means ‘Deutsch’“ nacheinigem hin und her sah er mich schief an und schrieb in sein Buch: ‘DEUSH’. So reiste ich also als ‘Deusher’ ins Sperrgebiet Spiti ein.

Rund drei Stunden spaeter kamen wir in Kaza an, wo wir uns nach Plan zwei Naechte lang von den Strapazen der Reise erholen sollten.


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