Gespeichert unter: Kathrin
In Tabo angekommen bewohnten wir das Guesthouse des Klosters, diesmal wieder in getrennten Zimmern. Ausser dem Kloster und dem wirklich gemuetlichen Guesthouse haben wir von Tabo nur noch ein ausgesprochen schlechtes Restaurant mit tolpatschigen und unsympathischen „Kellnern“ und ein Internetcafe ohne Internetzugang gesehen. Wir lasen viel in unseren Buechern und schliefen einige Stunden, die Reise auf dieser Hoehe schien uns sehr muede gemacht zu haben. Am Abend sassen wir in diesem auserordentlich schmutzigen Restaurant, vor unseren schmutzigen Teeglaesern, als Levi uns Gesellschaft leistete. Ich habe schon seit einiger Zeit nicht mehr eine solche Persoenlichkeit kennengelernt. Er bestellte sich auf umstaendliche Weise einen Gemuese-Hamburger und schaffte es, diesen innerhalb von zwei Stunden gemuetlich zu essen. Levi kommt von New York und ist ueber 60 Jahre alt. Er erzaehlte uns sein ganzes Leben, welches etwa so verlief: Inhaber eines Strechlimousinenservice, drei Toechter (von denen wir auch das ganze Leben erfahren haben), Ehestreit, jahrelanger Stress mit Anwaelten wegen Scheidung (2/3 seines Vermoegens, und das war viel, ging an seine Frau), Reiselust (ein paar Monate in der Karibik), Reise nach Indien, Goa, Bekanntschaft mit Guru, Leben in einem Ashram, totale Isolation, geistige Verwandlung, zuruck nach NY und nun wieder seit sechs Jahren am Reisen. Nun, kein Wunder, sind wir an diesem Abend totmuede ins Bett gefallen, Levis sehr amerikanisches Englisch und sein ununterbrochenes, wenn auch spannendes Erzaehlen hat uns in dieser Nacht tief schlafen lassen.
Am naechsten Morgen verabschiedeten wir uns von den drei andern und fuhren weiter, unser Ziel war Nako, wo auch die andern drei am Abend eintreffen sollten. Schon am Mittag in Nako angekommen beschlossen wir weiter zu fahren, da wir in Nako nicht gewusst haetten was tun und wir vom Jeep aus am meisten von der Landschaft hatten. Unser Fahrer empfahl uns Kalpa, wo wir dann auch schon nach drei Stunden ankamen. Wir nahmen uns ein Zimmer, etwas oberhalb von Kalpa selber und spazierten dann ins Dorf. Auch an diesem Ort gab es nicht wirklich viel zu sehen, ausser den alten Haeusern, in denen niemand mehr zu wohnen schien und dem Tempel. Zurueck im Zimmer entdeckte ich zu unserm Leidwesen zwei dicke, wirklich sehr grosse Spinnen an der Badezimmerdecke. Diese Spinnen liessen mich nicht los, entfernen war unmoeglich, fuer das waren sie wirklich zu gross und wegen den Spinnen das Zimmer zu wechseln war auch keine Loesung. So liessen Nicolas und ich unsere Fantasien walten und dachten uns einen Plan aus, wie wir die Spinnen fangen und toeten koennten. Kurz und gut, mit einem heftigen Wasserstrahl wurden die Spinnen von Nicolas von der Decke geholt und ich verbrannte sie mit dem Feuerzeug und dem Antibrumm (welches uebrigens entflammbar ist). Wir schrien und jubelten schliesslich laut im Zimmer umher, als wir unsere Beute tot im Wasserbehaelter des Hotelzimmers betrachteten.
Am Abend zeigte sich unser Fahrer wieder von der lieben Seite als Familienvater und er besorgte uns unser Abendessen, welches wir in einem vollgequalmten Raum und einer grossen Gruppe von pokernden, bekifften Israelis einnahmen. Ich schlief beruhigt, im Wissen, dass die Spinnen nicht in meinen Schlafsack kriechen und auch Alptraeume von grossen, ekligen Spinnen blieben aus.
Am naechsten Morgen fuhren wir ueber Sangla, wo wir zu Mittag assen, weiter nach Saharan. Die Landschaft veraenderte sich immer mehr, es wurde immer gruener und auch die Affen schienen sich auf dieser Hoehe wieder eingenistet zu haben. Wir kamen gegen Abend in Saharan an, es wurde schon langsam dunkel und es begann zu regnen. Unser Fahrer hielt und schon steckte ein Inder den Kopf zum Fenster rein und fragte ob wir ein Zimmer fuer 300Rs wollten. Da wir solche aufdringlichen Angebote von Anfang an ausschliessen, wollten wir uns zuerst selber umsehen. Wir fanden ein wirklich teures Hotel fuer ueber 1500Rs und schliesslich ein sauberes Zimmer im Tempelguesthouse fuer nur 150Rs, es hatte sich also durchaus gelohnt, dass wir das Angebot an Zimmern verglichen hatten. Am Abend konnte ich Nicolas ueberreden, dass wir in das teure Hotel Abendessen gehen, da ich wusste, dass es sonst nur das typisch indische Essen, sprich Dhal und Chapati gab. Wir fanden uns also in einem wirklich schoenen Esssahl mit weissen Tischtuechern und ausgebildeten Kellnern wieder und Nicolas bestellte sich ein ganzes Huhn an Buttersauce und Reis ohne Zwiebel und Knoblauch und es war mir eine wahre Freude ihn so gluecklich essen zu sehen. Auch das Fruehstueck nahmen wir in diesem Hotel ein, mit frischen Blumen auf den Tischen und schoenem Ausblick ins Tal. Man muss vielleicht sagen, dass wenn ich teuer schreibe, dies fuer indische Verhaeltnisse gemeint ist, wir haben also fuer das Essen (und wir haben wirklich wie die Koenige gespiesen) knappe 12.- CHF bezahlt. Wir stiegen also gutgenaehrt und gluecklich am naechsten Morgen, nachdem wir den Tempel besichtigt hatten, in den Jeep.
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