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Kolkatta ist anstrengend; richtig anstrengend. Wenn man morgens aus dem klimatisierten Hotelzimmer tritt schlaegt einem eine Welle heisser, feuchter Luft entgegen, sodass die Brille beschlaegt. Spaetestens auf der Strasse kommt dann der erste Anschlag auf den noch leeren Magen, zu hundert Prozent Luftfeuchtigkeit und dreissig Grad gesellen sich der Geruch von Abgas, schwitzenden Menschen, Exkrementen, Verwesung und Muell. Als waere das nicht schon genug sind die Menschen hier ein Konzentrat aller unangenehmer Eigenschaften die wir auf unserer Reise bis jetzt gesehen haben. Sobald es um ein Geschaeft geht werden wir lebende Geldbeutel behandelt und sonst starrt man uns enfach an als haetten wir gruene Beulen im Gesicht. Wollen wir unsere gequaelten Maegen dann fuettern wird es schwierig. Zum einen kennt man in Indien sowieso kein Fruehstueck und wenn man die Bengali die Gourmets Indiens nennt, so mag sich das auf die Menge der verwendeten Gewuerze beziehen; fuer uns ist das Essen leider ungeniessbar. Die einzige Moeglichkeit besteht darin sich in ein Restaurant mit internationaler Kueche zu fluechten, was entweder ungesund (KFC) oder teuer ist (Fleurys Swiss Confectionary). In beiden Faellen entsteht daraus wieder ein neues Problem: Je teurer und internationaler ein Restaurant, desto mehr Klimaanlagen sind installiert, sodass man von Schweiss und Luftfeuchtigkeit durchnaesst praktisch in einen Kuehlschrank tritt. Ich fuer meinen Teil bin schon einigermassen erkaeltet, Kathrin scheint resistenter zu sein.
All diese Umstaende fuehren dazu, dass wir uns nicht gross aus dem Haus trauen und, wenn ueberhaupt, taeglich nur eine der vielen Sehenswuerdigkeiten Kalkuttas besuchen. An sonsten schlafen wir viel, sehen fern und freuen uns auf die baldige Heimkehr.
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Das Wetter hat sich nicht gebessert, der Regen alleine waere ja nicht sonderlich schlimm, wir hatten ja auch nichts anderes vom Monsoon erwartet, der Nebel allerdings ist echt muehsam. In einer Gegend wo in erster Linie die Aussicht zaehlt ist es etwas deprimierend, wenn man den ganzen Tag hindurch nicht mehr als das naechste Haus sieht. Wir haben uns dementsprechend die letzte Woche recht viel in unserem Dachstock aufgehalten und auf einen regen- und nebelfreien Tag gewartet (die gibts laut Einheimischen immer wieder). Wir hatten schon Tage an denen wir im Internetcafe nach Billigfluegen nach Suedostasien gesucht haben, um die Sonne wieder mal zu sehen. Zu unserer Wetter-Misere kommt noch, dass die Befreiungsfront „Ghorkaland“ zu einem Generalstreik aufgerufen hat und deshalb alle oeffentlichen Einrichtungen geschlossen sind. Selbst der beruehmte kleine Tee-Zug ist seit Wochen nicht mehr eingefeuert worden. Nachdem wir nun also eine Woche lang vergeblich auf bessere Zeiten gehofft haben fahren wir morgen weiter in Richtung Sikkim, wo es zwar auch regnet aber wenigstens ein paar Kloester zu besichtigen gibt. Eigentlich muesste man fuer Sikkim einen Permit austellen lassen, da das ehemalige Koenigreich eine sogenannte „restricted area“ ist. Da aber die zustaendigen Bueros in Darjeeling ebenfalls ihre Arbeit niedergelegt haben werden wir uns direkt an der Grenze um einen entsprechenden Stempel bemuehen muessen. Da uns aber in Gangtok, der Hauptstadt Sikkims, nach zwei drei Tage auch langweilig sein duerfte werden wir uns dann wohl vor dem Rueckflug noch eine Woche in der indischen Hoelle (Kolkatta) antun, die laut Reisefuehrer aber einiges besser sein soll als ihr Ruf. Wir haben auch schon von anderen Touristen gehoert, dass Kolkatta viel zu bieten hat und eine tolle Stadt ist, wir werden uns also nicht von den Geruechten einschuechtern lassen und freuen uns auf diese so vielfaeltige Stadt.
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Da wir gestern nicht sonderlich Lust hatten schon wieder auf dem See umherzufahren und wir langsam etwas uebersauerte Oberarme haben vor lauter Paddeln, sahen wir uns nach einer anderen Moeglichkeit um den Tag zu verbringen. Wir erkundigten uns in unserem Hotel nach einigen Ausflugszielen und mieteten uns einen Motorroller. Allerdings ist in Nepal das Benzin momentan mehr als knapp. Wer an der Tankstelle sechs Stunden lang ansteht, bekommt fuer einen Motorroller eine Ration von fuenf Litern Treibstoff in Einliter-Petflaschen zu je etwa Sfr. 1.70. So musste ich, bevor wir starten konnten, zuerst mit dem Vermieter zu Ihm nach Hause fahren wo er dann vor meinen Augen die drei ausgehandelten Liter Benzin aus Flaschen ins Gefaehrt kippte, peinlichst darauf bedacht keinen Tropfen des kostbaren Nass zu vergeuden; Peak Oil laesst gruessen.
Das Motorrad selbst, eine Lustige Kiste der Marke Honda, hatte eine nicht allzu stabile Strassenlage und das Anfahren mit Kathrin hinten drauf bereitete mir Anfangs etwas Muehe. Beim ersten Kreisel verknoteten sich dann aber meine Hirnwindungen, die Kombination Linksverkehr + Nepalesische „Verkehrs-Regeln“ + Schlagloecher + Kuehe + Huener + Kinder war auf Anhieb nicht ganz einfach zu Handhaben. Wir kamen aber heil durch das Chaos und Spurten auf eine Strasse ein von der wir glaubten sie bringe uns zu unserem ersten Ziel, einem Grossen Wasserfall und einer Hoehle. Entweder wir haben beides uebersehen oder es war die falsche Strasse – wir landeten auf einer Passstrasse die aber durch wunderschoene Landschaften fuehrte, weshalb wir beschlossen nicht weiter nach dem Wasserfall zu suchen sondern einfach mal weiter zu fahren. So kamen wir in laendliche Berggebiete, fuhren durch Doerfer in denen die ganze Strasse mit Stroh bedeckt war, welches da zu trocknen auslag und konnten den Bauern beim Reispflanzen zusehen. Nach zwei Stunden zogen dann allerdings dicke graue Wolken auf und wir machten schnell kehrt und zogen unsere Regenjacken an. Natuerlich waren wir nicht genug schnell und so fuhren wir bald durch den stroemenden nepalesischen Monsoon. Schnell waren wir so bis auf die Haut durchnaesst. Da es aber nicht kalt war und wir nicht noch nasser werden konnten war uns der Regen dann auch egal und wir fuhren nicht direkt nach Hause sondern erkundeten noch bis zum Einbruch der Dunkelheit die Umgebung von Pokhara.
Da wir nun bald zwei Wochen hier sind ist es nun Zeit auch mal weiterzureisen und so verabschieden wir uns morgen schweren Herzens von Pokhara und setzen uns in den Bus zurueck nach Kathmandu, wo wir nochmal zwei Tage verbringen. Von Kathmandu gehts dann weiter an die Ostgrenze Richtung Darjeeling und Sikkim. Da die Busfahrt von Kathmandu an die Grenze ganze 17 Stunden dauern wuerde und die Ueberlandstrasse durch die Ostprovinzen waehrend der Monsoonzeit nicht ganz ungefaehrlich ist, haben wir uns kurzerhand einen Flug gebucht der uns von Kathmandu nach Bahdrapur bringt, einem kleinen Flugplatz an der Grenze. Neben der Zeitersparnis und der Sicherheit hoffen wir auch einen guten Ausblick auf den Himalaya/Everest zu haben, der sich zu dieser Jahreszeit von unten immer hinter einer dicken Wolkendecke versteckt.
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In Pokhara, scheint es, kann man gut haengen bleiben. Wir sind nun schon seit gut eineinhalb Wochen hier und haben eigentlich auch nicht gross Lust uns allzubald zu verabschieden. Die Sonne, der See, die Shoppingmeile und die vielen Restaurants und Bars lassen keine Langeweile aufkommen. Unser Tagesablauf momentan sieht etwa so aus: schlafen so lang wir wollen, das heisst etwa bis zehn, Fruehstueck im Garten des Hotels, an den See, Ruderboot mieten, einige Stunden umherpaddeln, in einer Bucht im Schatten des Urwalds lesen, ein Bad im See, zurueck ans Ufer, etwas kleines italienisches zu Essen, Spaziergang durchs Dorf, ins Hotelzimmer, den Nachmittags-Monsoon abwarten, lesen und danach in einem unserer Lieblingsrestaurant zu Abend essen gehen, danach etwas lesen und dann frueh ins Bett. Alles in allem recht gemuetlich, wie man sieht.
Ab und zu wird dieser „Alltagstrott“ allerdings durchbrochen, bevorzug von irgendwelchen scheusslichen Tieren. So werden wir des Nachts manchmal von diesem typischen Krabbeln geweckt, und dann gehts ab auf Kakerlaken-Jagt. Diese (riesigen) Wiederlinge werden in der Monsoon-Zeit vom steigenden Wasser aus der Kanalisation hochgetrieben. Nun haetten wir ja eigentlich ein Insekten-Netz, nur leider hatten die Kuechenschaben die Angewohnheit sich besonders gerne IN unserem Netz aufzuhalten, weshalb wir das Ding schnell wieder weggenommen haben, jetzt bleiben sie wenigstens an den Waenden.
Heute haben wir waerend unserer Bootsfahrt den Fehler gemacht im Jungel an Land zu gehen, da ich einen besonders schoenen Wasserfall fotografieren wollte. Als ich auf dem kurzen Fussmarsch den Bach entlang ebendiesen ueberqueren musste, bemerkte ich ploetzlich, dass mein Schuh lebte. Die Aussenseite war ueber und ueber mit zappelnden, saugenden Wuermern uebersaeht; Blutegel. Angewiedert stampfte ich das groebste ab und machte ich auf den Rueckweg zu Kathrin und Boot, froh dass ich gute Socken anhatte. Dort angekommen musste ich aber feststellen, dass Socken offenbar kein grosses Hinderniss fuer diese Kreaturen sind, ein gutes Dutzend dieser Ekelzwerge saugten frisch froehlich an meinen Fuessen… Noch jetzt juckt es mich in den Schuhen, sobald ich nur daran denke.
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Nachdem mich Krankenschwester Kathrin soweit gesundgepflegt hat, dass ich wieder aus dem Haus kann und sie selber sich auch etwas erholt hat, machen wir uns nun auf Pokhara etwas genauer zu erkunden. Vorneweg: Das Restaurant gegenueber, von dem schon die Rede war, hat ganz entscheidend zu unserer Genesung beigetragen, zu erstklassigen Pizzas und Spaghetti hat es unsere von Bollywood-Musik geschundenen Ohren mit amerikanischem Jazz verwoehnt. Neben guten Restaurants gibt es in Pokhara aber auch noch anderes; einen See zu Beispiel. Der See ist zwar nich gross, dafuer aber umso schoener. Waerend auf einer Seite das Staedchen liegt, sind die steilen Haenge auf der anderen Seite von dichtem Urwald bedeckt, in dem unzahlige schneeweisse Wasservoegel wohnen. Auf dem See schwimmen grosse Seerosen-Inseln und viele traditionelle Ruderboote, durch die auch auf unserer Seite herabhaengenden Aeste betrachtet ein wahrhaft idyllisches Bild. Sollte uns nicht einer der immer haeufiger werdenen Monsoon-Schauer davon abhalten, werden wir uns nun auch so ein Boot mieten uns zu einem der auf Inseln liegenden Wassertempeln hinausrudern.
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Da Kathrins Verdauung sich schon seit einiger Zeit wieder unangenehm bemerkbar macht, und sie nicht sonderlich Lust hat schon wieder eine Antibiotika-Kur zu machen, haben wir uns auf die Suche nach einem Tibetischen Arzt gemacht. Nachdem das Zeug bei mir genuetzt hat ist es einen Versuch wert. Wir landeten in einer Tibetischen Klinik, wo Kathrin einen ganzen Sack voll verschiedenster Goat-Balls verschrieben bekam. Sechs Wochen lang soll sie nun jeden Tag zu jeder Mahlzeit zwei Kugeln essen, jeden sechsten Tag aber nur eine einzige, die so wertvol zu sein scheint, dass jede einzeln in einem Seidensaeckchen eingebunden ist… mal sehen obs besser wird…
Nachdem wir unser Traumhotel in vollen Zuegen genossen haben, in alten Kolonialgaerten umherspaziert sind und uns Kathmandu angesehen haben, konnten wir uns nun auch entscheiden wies weitergehen soll:
Morgen 6.30 faehrt unser Bus in die Naehe des Royal Chitwan National Park, wo uns dann (hoffentlich) ein Jeep abholen kommt und uns in den Jungel faehrt, wo wir drei Tage bleiben um von Elephanten herab nach Tigern, Krokodilen, Nashoernern und Voegeln Ausschau zu halten. Danach gehts weiter nach Pokhara, von wo wir (je nach Wetter) den einen oder anderen Treck Richtung Annapurna unternehmen werden. Nachher durchqueren wir Nepal Richtung Sikkim und Darjeeling, von wo aus es nach Kalkutta geht. Von Kalkutta fliegen wir am 29.07 ueber Dubai zurueck nach Zuerich. Ironischerweise waere der Anschlussflug nach Peking teurer gewesen als der Flug Kolkatta – Zuerich; ausserdem umgehen wir so weitere Scherereien mit der Chinesischen Buerokratie.
Bis Pokhara gibts wahrscheinlich keine weiteren Meldungen mehr, im Jungel gibts keinen Strom und entsprechend warscheinlich auch kein Internet
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In Kathmandu angekommen, ging alles unsaeglich einfach, wir kriegten unsere Visa in den Pass gestempelt und tatsaechlich lagen unsere Rucksaecke irgendwo in der Ankunftshalle auf dem Boden rum.
In Kathmandu herrscht gerade Taxi-Streik, weil das Benzin einige Rupien teurer geworden ist, weshalb sich ein dutzend Hotelvertreter um die Gunst stritten uns in ein (ihr) Hotel fahren zu duerfen. Wir hatten Glueck mit unserer Wahl und leben nun in einem wahren Gemach, in dem es eine Badewanne und einen Klopapierhalter hat, und das Bett gemacht wird und die Handtuecher gewechselt werden wenn wenn mal nicht hinsieht. Allgemein sind wir positiv ueberrascht von Nepal, von der viel besungenen Luftverschmutzung in Kathmandu merken wir nach Schockerlebnissen wie Amritsar und Delhi nicht mehr viel und der ebenso legendaere Strassenverkehr kommt uns nach Indien geradezu geregelt vor. An die aktuellen politischen Unruhen wird man nur durch eine sehr heftige Polizeipraesenz errinnert, da aber das Koenigliche Militaer bereits entwaffnet ist, ist das nicht weiter beunruhigend. Generell ist von den blutigen Auseinandersetzungen im Vorfeld der Wahlen nichts mehr zu merken, seit der Koenig gestuerzt ist befindet sich das Land in einem Freudentaumel, der Palast ist bereits ein Museum. Sonntag Nacht haben offenbar Royalisten noch versucht einen alten Mercedes-Benz, ein Geschenk Hitlers an den Nepalesischen Koenig, aus dem Palast zu stehlen, da aber das Diebesgut etwas unhandlich war ist die Sache natuerlich aufgeflogen.
Heute sind wir nun auf das Chinesiche Konsulat um uns um unser Visum zu bemuehen. Tatsaechlich gerieten wir in diesem Hochsicherheitsbunker an einen netten Beamten, der sich etwas Zeit fuer uns nahm; nach unseren Erfahrungen mit der Zuercher Botschaft eine wahre Wohltat. Was uns der nettte Herr allerdings erklaehrte war alles andere als eine Wohltat: Seit dem 15 April koennen Auslaender nur noch in Ihrem Heimatland ein Visum beantragen. Weshalb das auf keiner Internetseite deklariert ist, man uns das in Zuerich nicht gesagt hat und hauptsaechlich warum Globetrotter das nicht wusste ist uns unerklaehrlich. Der Beamte hatte allerdings Mitleid mit uns und meinte er koenne uns ein Transitvisum fuer 5 Tage ausstellen, dafuer muessten wir allerdings in zwei Wochen wieder in Kathmandu antraben und eine Woche aufs Visum warten, was nun wirklich gar nicht in unser Programm passt. Da wir allerdings nicht unbedingt Lust haben einen Flug und ein Hotel in Peking zu buchen (Voraussetzung fuer ein Visum) und dann an einen anderen Beamten zu geraten, der gerade nicht so gute Laune hat, sind wir momentan eher geneigt einen Flug direkt von Nepal oder Indien in die Schweiz zu kaufen.
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Delhi empfieng uns schon rund hundert Kilometer vor der Stadt mit einem gelblich-gruenen Smogschleier, der sich dann am Stadtrand zu einem solchen Nebel verdichtete, dass die Sicht auf etwa 300 meter eingeschraenkt wurde. Zusammen mit 32 Grad Celsius und etwa 90% Luftfeuchtigkeit keine sonderlich angenehme Kombination. Nachdem wir uns bei YMCA, das ausgebucht war, von den beiden Amerikanern verabschiedet hatten, liessen wir uns von einer Rikshaw von einem teuren Hotel zum naechsten fahren, bis wir akzepiert hatten, dass es In Delhi wohl kein vernuenftiges Hotel zum vernuenftigen Preis gibt. So landeten wir schlussendlich in einem nicht ganz billigen Hotel, das aber fuer das Geld auch echt was zu bieten hatte. Wir hatten Klimaanlage, Fernseher, Badetuecher, Zimmerservice und ein rundes Bett! Wie im Film…
Am naechsten Tag wagten wir uns wieder in die Hitze der Grossstadt, die Smogglocke hatte sich gelichtet, dafuer schien jetzt die unbarmherzige Sonne auf unsere Koepfe. Wir kundschafteten das Herz Delhis den Connaught Square aus und kauften in einer wunderbar gekuehlten Buchhandlung einige Buecher. Nachdem wir allerdings einmal um den Platz gelaufen waren zog es uns schon wieder in unser klimatisiertes Hotel, die Hitze war zu erdrueckend. Wenn auch Delhi auf uns einen sehr viel besseren Eindruck als Mumbay gemacht hat, so war es wohl nicht ganz die richtige Jahreszeit fuer ausgedehnte Streifzuege.
Am naechsten Morgen standen wir schon frueh auf, obwohl unser Flug erst um 12 Uhr mittags fliegen sollte. Da wir nun die indische Buerokratie und Hilfsbereitschaft kannten, befanden wir es fuer besser etwas mehr Zeit als noetig einzuplanen. Auf dem Flughafen angekommen gab es zwar keine langen Wartezeiten, bis uns als Auslaender allerdings klar war, was in welcher Reihenfolge und wo zu tun war vergieng einiges an Zeit. Zuerst ist selbstverstaendlich ein Formular auszufuellen, dann muss man das Gepaeck, das man aufgeben will roentgen und versiegeln lassen und es dann aufgeben. Nachdem wir unsere Tickets bezogen hatten mussten wir durch ein Gewirr von Absperrbaendern (selbstverstaendlich ist nichts angeschrieben) zur Immigrationsbehoerde (bei der Ausreise?), unsere Paesse und Visas Stempeln lassen. Nach dem Security-Check hatten wir einige Bedenken, immerhin hatten insgesamt eineinhalb Liter Wasser im Handgepaeck, die von der X-Ray Maschine nicht bemerkt wurde. Nachdem wir herausgefunden hatten von welchem Dock unser Flug starten wuerde, sassen wir bis 12 Uhr in einer Baustelle vor einer Tuer die aufs Flugfeld fuehrte und warteten auf weitere Ereignisse. Irgendwann kam ein Buss vorbei und nachdem wir unser Ticket vier verschiedenen Leuten vorgezeigt hatten durften wir einsteigen. Der Bus stand aber zunaechst mal fuer 20 Minuten an Ort und Stelle und wartete auf Godot, waerend uns im Innern langsam schlecht wurde von den Ausduenstungen all der zusammengepferchten Menschen. Bis unser Flugzeug dann abhob war es etwa viertel nach eins und die Kinder von einigen dutzend indischen Familien schrien als die Beschleunigung einsetze.
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Natuerlich konnte der Fahrer kein Englisch, obwohl uns das versprochen worden war, fuhr einigermassen kriminell und wolle uns noch ein bisschen ueber den Tisch ziehen, aber das kann uns ja nicht mehr wirklich schrecken.
Aus unserem Reisefuehrer hatten wir uns bereits ein Hotel ausgesucht: Mrs. Bhandaris Swiss Cottage. Bei der Ankunft (und auch spaeter) konnten wir allerdings keine sonderliche swissness feststellen. Die Absteige hielt aber sonst einiges an Unterhaltung bereit. Wir waehnten uns teilweise in einem Irrenhaus, hierzu muss man allerdings zuerst einige Worte zu Rishikes als Stadt verlieren.
Seit sich die Beatles vor rund vierzig Jahren in Rishikes von einem de vielen Gurus in die Oestliche Spiritualitaet einfuehren liessen, hat sich hier eine wahre Selbstfindungsindustrie entwickelt. Erleuchtungshungrige aus aller Welt stroemen in die Stadt an der Gangesquelle um sich in einem der hunderten von Ashrams von einem der tausend Gurus den Weg zu sich selbst zeigen zu lassen. Allerdings ziehen solche Spiritualitaetsoasen neben ganz normalen Leuten auch ziemlich viele recht merkuerdige Gestalten an. So wurde uns im Gartenrestaurant unseres Hotels einiges geboten. Es gab z.B. „das Gespenst“, ein junger vollblut Hippie, der vor lauter Meditation (und warscheinlich auch noch ein parr Kraeutern) so dauerberauscht war, dass er sich immerzu bewegte wie ein fliegendes Gespenst, zu imaginaerer Musik tanzte oder mit imaginaeren Menschen sprach und kaempfte. Ausserdem gab es einen Afroamerikaner, der jeden morgen um fuenf Uhr Aufstand, mit nacktem Oberkoerper (in Indien ein no-go) joggen ging, hundert Kniebeugen, Klimmzuege und Rumpfbeugen machte, dann sechs Stunden Joga trainierte und schlussendlich sechs Stunden meditierte und generell furchtbar naturverbunden und gesund lebte. So gab es noch diverse Figuren, die sich jeden Abend In unserem Gartenrestaurant versammelten und sich gegenseitig mit ihren Joga-meditations-gesundheits-overkills zu uebertrumpfen versuchten. Nachdem sich jeder selbst das Gefuehl gegeben hatte heute besonders gut zu sich selbst gewesen zu sein, musste das selbstverstaendlich mit ganz viel Bier (Alkohol ist in Rishikesh eigentlich verboten) und Hanf gefeiert werden…
Rishikesh selbst erstreckt sich ueber einige Kilometer entlang des Ganga-Ufers (der Ganges ist hier noch nicht heilig), was die Stadt nicht gerade uebersichtlich macht. Die beiden Flussufer werden von zwei schmalen, fuer indische Verhaeltnisse topmodernen Fussgaengerbruecken verbunden, auf denen sich Menschen, Kuehe, Fahrraeder und Motorraeder tummeln. Mit unserem nun stolze 15 Kilo schweren Paket haben wir uns muehsam durch die Menschenmenge gedraengt. Es war schliesslich gar nicht so eine Sache, es ist nur zu hoffen, dass das Paket auch wirklich in einem Monat ankommt.
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Da wir auf unserem Programm Nako ausgelassen hatten waren wir einen Tag voraus. Nach Saharan wollte uns der Fahrer in irgendeinem Kaff kurz vor Shimla absetzen, was uns aber einigermassen missviel. Ausser einem voellig ueberteuerten Hotel gab es in diesem Dorf rein gar nichts und wir fragten uns ein wenig, wie wir unsere Zeit durchbringen sollten. Wir wiesen unseren Fahrer an, uns schon heute nach Shimla zu fahren, was ihm sichtlich nicht passte. In Shimla angekommen begann eine etwas muehsame Hotelsuche. Zum einen hatte unser Fahrer keine Ahnung von Shimla und fuhr bei jedem Hotel das wir suchten einmal um die ganze Stadt (die Innenstadt ist autofrei), zum anderen sind in Indien momentan gerade Sommerferien, weshalb alle Hotels voll waren. Schliesslich stellten wir unseren Jeep mitsamt Fahrer auf einen Parkplatz und machten uns zu Fuss auf die Suche. Wir fanden im YMCA Unterkunft, wo sich natuerlich trotz der Hochsaison kein hinduistischer Inder niederlassen wuerde. Das YMCA, dem Bau nach noch aus kolonialer Zeit stammend, liegt absolut traumhaft im Zentrum der Stadt, wir bezogen einen der vier „Luxus-Bungalows“ mit Bad, eigenem englischem Rosengarten, Sitzplaetzen und Ausblick ueber ganz Shimla.
Da wir unseren Jeep noch fuer einen Tag laenger bezahlt hatten wollten wir am naechsten Tag noch einen Ausflug in ein nahe gelegenes heiliges Dorf unternehmen, wo es neben tropischer Flora und Fauna laut Karte auch einige heisse Quellen zu bestaunen geben sollte. Der Fahrer war allerdings der Meinung das er ja nichts dafuer koenne das wir nicht nochmal uebernachten wollten und das ein solcher Ausflug zusaezliche Kilometer bedeuten wuerde, weshalb so ein Ausflug nicht drinliege. Nachdem ich ihm aber eindringlich klar gemacht hatte dass wir den Jeep nich per Kilometer sondern per Tag gemietet hatten und das er uns einen Tag zurueckzahlen muesse, wenn er uns am naechsten Tag nicht dort hinfahre, gab er sich geschlagen. Am naechsten Tag fuhren wir dann also nach Tatta Pani, eine Strecke die eigentlich wunderbare Ausblicke bieten sollte. Allerdings war es so unglaublich neblig, dass man keine 50 Meter weit sehen konnte, auf einer einspurigen Bergstrasse mit indischem Verkehr nochmal ein Erlebnis fuer sich (niemand kaeme auch nur auf die Idee wegen Nebel die Scheinwerfer anzustellen, oder langsamer zu fahren). In Tatta Pani angekommen mussten wir merken, das von den in der Kolonialzeit erbauten Badehaeusern nur noch Ruinen uebrig waren, auf die heissen Quellen deutete auch nicht mehr hin als ein leichter schwefliger Geruch hin, der ab und zu vorueberwehte. Nachdem wir ein wenig durch die tatsaechlich sehr schoene Umgebung mit vielen schillernden Voegeln gewandert waren, setzten wir uns wieder in unser Auto und liessen uns zurueck nach Shimla kutschieren. Auf der Heimfahrt war der Nebel nicht mehr ganz so schlimm, von der Aussicht hatten wir aber dennoch nicht viel.
Am Abend und im Laufe des darauffolgenden Tages kundschafteten wir Shimla aus. Shimla ist auch heute noch „Queen of the Hill Stations“. Einst von den Englaendern als Fluchtort vor der Hitze ausgewaelt, entwickelte sich Shimla waerend der heissen Sommermonate zum sozialen Zentrum und Regierungssitz der Englischen Kolonialmacht. Noch heute besteht die ganze Innenstadt aus Haeusern im alten englischen Stil, an der Mall, der Haupstrasse, reihen sich edle englische Kleidermarken und Juweliere aneinander und die Hotels werden von livrierten Portierts bewacht und ueberbieten sich in Exklusivitaet und Preisueberhoehung. Heute sind es allerdings nicht mehr die Englaender die die Mall bevoelkern (welche frueher fuer Inder gesperrt war) sondern die Indische High Society und viele die gerne dazugehoeren wuerden. Es ist ganz offensichtlich, dass einige der indischen Touristen wohl sehr lange gespart haben um sich ein paar Tage in Shimla leisten zu koennen; entsprechend absurd ist das angebot an Luxus-Dienstleisungen, hier das Paradebeispiel: Auf der Mall finden sich diverse Maenner mit leeren Kinderwagen. Diese Kinderwagen kann man, wie wir herausgefunden haben, mieten. Waerend man in Dheli und Mumbay unmoeglich mit einem Kinderwagen umherfahren kann, ist dies in auf der Mall in Shimla moeglich, weshalb das als Luxus betrachtet wird. Da aber die indischen Kinder der Mittel- und Oberschicht fast alle fuerchterlich verzogen sind brauchen sie noch zusaezliche Unterhaltung. Auf jedem Kinderwagen ist deshalb vorne ein kleines Keyboard oder Spielzeugtelefon angebracht, das fuer jede Taste eine andere Melodie von sich gibt. Dementsprechend fahren auf der Mall diverse laermende Kinderwagen umher, indenen alles platziert wird was noch in einen Kinderwagen passt. So sieht man durchaus auch etwa zehnjaehrige Kinder hinter den Tasten.
Nachdem wir es uns nun vier Tage lang im YMCA und im immer gleichen Restaurant gut gehen liessen, haben wir nun fuer morgen ein Taxi gemietet, das uns nach Rishikesh bringt. Rishikesh ist von Shimla aus die einzig sinnvolle Zwischenstation auf dem Weg zur nepalesischen Grenze, allerdings ist die einzige Moeglichkeit dorthin zu kommen eine rund vierzehnstuendige Bergbusfahrt in einem oeffentlichen Bus, der Alptraum jedes Travellers. Ein Taxi ist da das Geld definitiv wert.